Praxistipps

Der optimale Platz für Ihr Insektenhotel

Idealerweise sollten alle Nisthilfen, Beobachtungshilfen und Wildbienenhotels mit einem stabilen Aufhänger versehen an einer freien, möglichst sonnigen und zugluftfreien Südost- bis Südwestwand aufgehängt oder einfach auf einen Fenstersims gestellt werden. Damit sich die präzise gearbeiteten Frontplatten und Einschübe nicht durch Feuchtigkeit verziehen und festklemmen sollte ein trockener, insbesondere vor Schlagregen geschützter Aufhänge-/ Aufstellort gewählt werden. Nach Norden ausgerichtete, beschattete oder im Wind baumelnde Nisthilfen werden nicht gerne besiedelt. Viele Wildbienenarten überwintern als Imagines (Vollinsekten), manche Arten aber auch in einem früheren Entwicklungsstadium. Die Nisthilfen müssen grundsätzlich ganzjährig draußen bleiben. Über die Wintermonate bis ca. Ende Februar kann man die Nisthilfen ggf. durch eine  mit geringem Abstand vorgehängte Schilfmatte, Sperrholzplatte o.ä. gegen Wetterextreme und Vogelfraß schützen.

 

Wie oft sollte man "gucken" gehen?

Ob die Bienenbrut durch häufiges Herausnehmen des Bruteinsatzes Schaden nimmt ist mir bislang nicht bekannt. Persönlich empfehle ich deshalb die Nist- und Beobachtungshilfe nicht während der Hauptflugzeiten und auch nicht häufiger als 1x/Woche für wenige Minuten zu öffnen. Direktes Sonnenlicht sollte dabei unbedingt vermieden werden.

Können Wildbienen stechen?

Die Friedfertigkeit der meisten Wildbienen hängt mit ihrer sozialen Organisation und Fortpflanzungsstragie zusammen: Eine Honigbienen-Königin hat sehr viel in ihr Volk investiert und kann sich im Hinblick auf ihre Aufgabe (= Reproduktion) bei Gefahr weder ihren eigenen Tod noch einen Neuanfang an anderer Stelle leisten (zu dem sie alleine ohnehin nicht fähig ist). Sie kann sich allerdings problemlos den Tod einiger Hundert Arbeiterinnen im Abwehrkampf etwa gegen einen Bären leisten. Eine Solitärbiene hingegen riskiert mit jeder Abwehr gegen einen Beutegreifer ihr Leben und somit den Verlust ihrer Gene. 

Wildbienen sind sehr friedfertig und stechen nur in äußerster Not, beispielsweise wenn man barfuß auf sie tritt oder sie sich wie auch immer unter unsere Kleidung verirren und dort gedrückt werden. Die meisten der bei uns lebenden Wildbienen haben einen viel zu schwachen Stachel um unsere Haut zu durchdringen. Bei den wenigen, richtig großen Arten spürt man den Stich allerdings schon deutlich. Von einem durch Solitärbienen verursachten anaphylaktischen Schock ist bislang nichts bekannt

Obwohl ich mich seit vielen Jahren regelmäßig zur Beobachtung unmittelbar an den von hunderten Wildbienen beflogenen Nisthilfen aufhalte wurde ich bis zum heutigen Tag noch kein einziges Mal gestochen.

 

Was kann ich tun?

Neben der Agrarindustrie sind auch Kleinparzellen- und Balkongärtner in der Pflicht in Sachen Renaturierung naturnaher Lebensräume, Etablierung von Blühstreifen und Hecken, blütenreichere Landschaften, blühende Stilllegungsflächen und Untersaaten, ökologische Landwirtschaft, vielfältige Fruchtfolgen statt toter Monokulturen, Förderung von Totholz und künstlichen Nistmöglichkeiten für wildlebende Bestäuber unseren aktiven Beitrag zu leisten.

Gerade weil die Honigbienen in vielen Gegenden immer seltener werden sollten wir in unserem Umfeld, sei es am Haus, im Garten oder in der Schule etwas für Wildbienen tun indem wir sie durch geeignete Nisthilfen schützen und fördern. Dabei ist es neben dem aufhängen von Nisthilfen mindestens genauso wichtig für ein entsprechendes Nahrungsangebot in Form von Blumenwiesen und Blütenstauden zu sorgen.

Statt Nadelgehölzen und exotischen Sträuchern wie Zypressen, Forsythien und Buchskugeln sollten wir einheimische Wildsträucher und Blütengehölze wie Weiden, Wildrosen, Schlehen und Weißdorn pflanzen. Obstbäume und Beerensträucher sind für die Wildbienen genauso wichtige Nahrungsquellen wie für uns selbst. An Stelle eines englischen Rasens sollten wir lieber eine Wildblumenwiese anlegen mit Salbei, Hahnenfuß, Luzerne, Hornklee, Rotklee, Margerite, Wiesen-Glockenblume u. a. Als wichtige Frühjahrsblüher sind Blaustern, Krokus, Lerchensporn und Traubenhyazinthen zu nennen. (Wild)stauden wie Glockenblumen, Rainfarn, Bartblume, Malven- Ziest- und Nesselarten, Herzgespann ebenso ein- und zweijährige Blütenpflanzen wie Königs- und Nachtkerzen, Natternkopf, Wilde Möhre, Edeldistel oder Fingerhut sowie Heil- und Gewürzpflanzen wie Boretsch, Lungenkraut, Beinwell, Garten-Salbei, Ysop,Zitronen-Thymian, Minzen, Lavendel und Bergbohnenkraut, Lauch- und Zwiebelblüten. Auch Rank- bzw. Kletterpflanzen wie Zaunrüben, Staudenwicken und Efeu sind wichtige Nahrungsquellen für Wildbienen.

Für spätfliegende Arten einschließlich Hummelköniginnen haben sich in meinem Garten Nachtkerzen, Borretsch, Glockenblumen und Lavendel bewährt. Nachtkerzen blühen nicht nur bei Nacht, sondern noch bzw. schon in der Dämmerung als auch bei bedecktem Wetter. Borretsch blüht wenn man abgeblühte Zweige wegschneidet und Jungpflanzen nachwachsen läßt bis zum Frost. Bei Glockenblumen von denen es 3 - 500 verschiedene Arten gibt kann man die Blütezeit ebenfalls bis in den November verlängern, wenn man regelmäßig die verblühten Triebe entfernt. Bei Lavendel eignet sich besonders der von Juni bis Ende Oktober blühende Lavandula angustifolia, der oft für kleines Geld in Discounterläden  angeboten wird.

Nicht benötigte Gartenbeete mit Gelbsenf oder Phacelia und abgeerntete Beete mit Winterraps einsähen verbessert nicht nur den Gartenboden sondern auch das Futterangebot für unsere Schützlinge. Eine andauernde Blütenfolge, d.h. blühende Pflanzen von März bis September garantieren eine hohe Wildbienenvielfalt. Schneidet man Glockenblumen, Boretsch, Nachtkerzen und Löwenmäulchen regelmäßig zurück hält die Blütenpracht sogar so lange an bis ihnen stärkere Fröste ein natürliches Ende bereiten. Dadurch haben spätfliegende Bienenarten und junge Hummelköniginnen solange sie noch fliegen ausreichend Futter. Eine größtmögliche Vorsicht beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln darf bei alledem nicht vergessen werden.

Im neu erschienenen Bienenweidepflanzenkatalog des Landes Baden-Württemberg www.www.bienenweidekatalog-bw.de finden Sie dazu viele Pflanzenbeschreibungen und Anregungen zur Verbesserung der Lebensgrundlagen nicht nur der Wildbienen.

Wildbienenhotels, Insektenhotels, Nisthilfen für Wildbienen selber basteln

Entscheidend für die Besiedlung einer Nisthilfe ist nicht deren Aussehen, sondern die Beschaffenheit der verbauten Materialien. Diese sollten die natürlichen Nistgelegenheiten der Insekten nachahmen. Um nicht dieselben Fehler zu machen wie man sie bei den allermeisten der über Internet, Versandhandel, Baumärkte oder Gartenzentren angebotenen Nisthilfen vorfindet gilt es ein paar wesentliche Dinge zu beachten die auf langjährigen Erfahrungen und Untersuchungen beruhen.

Harthölzer

Am besten eignen sich gut abgelagerte Hartholzklötze aus Eiche, Esche, Buche die meiner Erfahrung nach zu 100% besiedelt werden und auch bei engem Abstand der Bohrungen nicht zu Rißbildung neigen. Die Holzstücke werden entrindet und mit Bohrungen ins Längsholz (dort wo die Rinde war) versehen. Um möglichst vielen Wildbienenarten eine Wohnung anbieten zu können ist es wichtig, Nistgänge mit Durchmessern von 2 bis max.10mm (überwiegend 3-6mm) zu bohren. Als Abstand hat sich der 2,5 – 3-fache Bohrerdurchmesser als ausreichend bewährt. Mit scharfen Qualitätsholzbohrern lassen sich glatte, splitterfreie Nistgänge herstellen. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Holzblock nicht komplett durchbohrt wird. Ansonsten gilt - je tiefer die Bohrungen desto besser.

Holzscheiben

Ins Hirnholz gebohrte Holzscheiben sind nur bedingt geeignet weil sie aufgrund der vermehrten Rissbildung von Wildbienen gerne gemieden werden. Sowohl Parasiten, als auch einer Verpilzung in Folge von Feuchtigkeit sind durch die Risse Tür und Tor geöffnet.

Nadelholz das aufgrund des Harzes die grazilen Bienenflügel verkleben kann sollte nicht verwendet werden. Auch andere Weichhölzer sind wegen ihrer geringen Haltbarkeit und der splitternden Holzfasern eher ungeeignet. Nur splitterfreie Nistgänge mit sauberen, glatten Schnittkanten werden besiedelt. Um ihren gesammelten Pollen abstreifen zu können, muss die Biene rückwärts in den Nistgang krabbeln. Abstehende Holzfasern und Splitter würden dabei die Flügel beschädigen, weshalb sie diese Gefahr lieber meidet.

 

links 2 Fotos: Scheibe getrocknet in Sommerhitze 2013       rechts 2 Fotos: Scheibe bei feuchtem Wetter 2014

 

Schilf- und Bambusröhrchen

Am einfachsten lassen sich Nisthilfen für Wildbienen aus Schilf- und/oder Bambusröhrchen anfertigen. So wird auf engstem Raum extrem viel Wohnraum angeboten. Mit einer feinen Säge schneidet man sich möglichst splitterfreie, ca. 20cm breite Streifen von einer baumarktüblichen Schilf- oder Bambusrolle ab, rollt sie wieder stramm auf und schnürt sie mit Rolladengurten, ausgedienten Gürteln, o.ä. fest zusammen. Mit passenden Spaxschrauben sollte man noch die Eingänge der einzelnen Röhrchen ausschaben. Wer hat der kann sie auch mit einem kleinen Handschleifer (z.B.Dremel) glätten. Bei den Bambusröhrchen bohrt man mit einem passenden Bohrer das Mark heraus. – fertig ist die Nisthilfe.
Bei 20cm langen Röhrchen muss man sich um die Nestabschlüsse keine Gedanken machen, da sich auf dieser Länge fast immer ein Internodium findet.
Wenn wir diese Nistrolle nun mit etwas Abstand an die Wand hängen hat das gleich zwei Vorteile. Die Hauswand verschmutzt nicht so schnell und die Gäste können auch über die Hintertür einziehen – d.h. sie können auch die Röhrchen benutzen bei denen sich der Stengelknoten sehr weit vorne befindet und somit als Brutröhre zu kurz wäre. Zur Freude der Bienen ist der Nistgang dann von der Rückseite her umso länger. Mit einer ca. 2x2cm Holzlatte die mit 2 langen Spaxschrauben an der Rückseite der Nistrolle festgesteckt wird schafft man den nötigen Abstand zur Wand und somit den Bienen einen Zugang zur Rückseite der Nistrolle. Damit diese nicht schaukelt sollte die Länge der Holzlatte in etwa dem Durchmesser der Schilfrolle entsprechen und etwas unterhalb der Rollenmitte angebracht werden.

Einfach und effektiv – die Blechdose

Für die einfachste Art eine Nisthilfe herzustellen benötigt man lediglich eine Blechdose, getrocknete, hohle Stängel aus dem Garten, Schilf- oder Bambusröhrchen und etwas Gips. Natürliche Internodien am hinteren Ende sind nicht erforderlich wenn man die Stängel in eine dünne Gipsschicht am Boden der Blechdose drückt. Naturstrohhalme die besonders von den kleineren Wildbienenarten gerne angenommen werden kann man, damit sie nicht knicken  bündeln und zusammen mit den stabileren Schilfhalmen in den Gips drücken. Dieses eingipsen hat auch den Vorteil, dass die Röhrchen im Winter nicht so leicht von hungrigen Meisen herausgezogen werden können. Anstatt eingipsen kann man auch ein Kartonstück passend zuschneiden und in die Dose legen. Eine ordentliche Portion Holzleim darauf verteilen und die Schilfstängel reinstellen. So können wir mit einfachen Mitteln verhindern, dass hungrige Meisen einzelne Röhrchen herausziehen und aufpicken.

Werden die Stängel, Schilf usw. nicht eingegipst ist darauf zu achten, dass sie am hinteren Ende mit natürlichen Internodien, Watte etc. verschlossen und möglichst in Bündeln liegend angeboten werden. Nach Ansicht mancher Bienenexperten werden Halme die von vorne bis hinten durchgehend offen sind und Nisthilfen welche von beiden Seiten aus besiedelt werden können nicht angenommen.  
Die beiden folgenden Fotos belegen, dass es auch Ausnahmen gibt und offene Röhrchen durchaus besiedelt werden. Hier habe ich für einen Versuch solche Durchblicker-Schilf-Röhrchen in eine ebenfalls nach beiden Seiten offene Blechdose gesteckt. Das Ergebnis ist nicht zu übersehen.

Schilfhalme, Bambus und hohle Stängel liegend

Es gibt zahlreiche Pflanzen, deren Stängel hohl sind und an den Knoten abgeschnitten  in getrocknetem Zustand als Niströhren verwendet werden können. Neben Bambus, Schilf und Stroh z.B. sind auch  Knöterich- oder Bärenklauarten, Baldrian, Liebstöckel, Brennnessel (trocken ohne Blätter!) usw.geeignet Bei allen hohlen Stängeln ist darauf zu achten, dass sie am hinteren Ende mit natürlichen Internodien verschlossen und möglichst in Bündeln liegend angeboten werden.Am besten schneidet man sie im noch grünen, aber verblühten Zustand mit einer scharfen Bypass-Schere, dünne Röhrchen auch mit einer scharfen Buchs- oder auch Haushaltsschere. Amboßscheren taugen nicht zum ablängen da die Halme gequetscht und rissig werden. Nur Röhrchen mit möglichst glatten Schnittkanten werden von den Bienen besiedelt.

Japanknöterich, Riesenknöterich
diese Pflanzenart zählt neben indischem Springkraut, Goldrute und Herkulesstaude zu den problematischen Neophyten da sie heimische Pflanzenarten verdrängen. Die Stängel sind innen hohl und sollten vor dem ersten Frost geschnitten werden.Stängel, deren Innendurchmesser >10mm kann man sehr gut mit den dünneren Seitentrienem derselben Pflanzen oder mit Strohhalmen füllen.

Wiesenknöterich und andere kleinere Knötericharten lassen sich am besten in trockenem Zustand schneiden. Dann sind sie innen auch hohl.

Die bis zu 10cm dicken Stängel des Riesen-Bärenklau eignen sich gut zum füllen mit den Stängeln kleinerer Bärenklauarten usw. doch Vorsicht mit Bärenklau (Heracleum). Bitte nur trockene, dürre Stängel verwenden!
Alle Pflanzenteile, insbesondere der Saft, sind giftig. Speziell unter Sonnenlichteinwirkung löst der Saft eine phototoxische Reaktion aus. Berührungen können auf der Haut zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die schwer heilen und wie Verbrennungen aussehen. Diese phototoxischen Reaktionen sind beim Riesen-Bärenklau besonders ausgeprägt. Giftfrei sind die Stängel erst im Spätherbst, wenn sie vollständig trocken und abgestorben sind. Den Hautkontakt mit jungen, grünen Blättern die schon im Herbst oft am Fuß der alten Stängel wachsen unbedingt vermeiden. Ggf Handschuhe tragen.

Stängel und markhaltige Röhren stehend

Die abgetragenen bzw. verblühten Ranken und Stängel von Brombeere, Himbeere, Herzgespann, Nachtkerze, Holunder, Königskerze, Schilf, Sommerflieder usw. sollte man am besten stehen lassen und nur die Enden abbrechen um den Bienen so einen Einstieg zu ermöglichen.
Wer die Stängel und Ranken nicht stehen lassen will sollte diese zumindest sammeln. Im Frühjahr in sonniger Lage einzeln oder gebündelt an Stäben oder am Gartenzaun festgebunden stellen diese Stängel eine ausgezeichnete Nistmöglichkeit für stängelbewohnende Bienen-und Grabwespenarten dar. Durch das abbrechen oder abschneiden ihre Enden bekommen die Bewohner markhaltiger Stängel eine Zugangsmöglichkeit und können ihre Nistgänge in das an der Bruchstelle freiliegende, weiche Mark graben. Waagrecht angebotene, markhaltige Stängel werden nur in Ausnahmefällen, meistens gar nicht besiedelt.

Pappröhren

Pappröhren als Niströhren für Mauerbienen sind in den Durchmessern: 4, 5, 7 und 8 mm im Handel zu bekommen. Die 8mm Röhrchen sind für die Gehörnte- und die Rostrote Mauerbiene zur Bestäubung in Obstanlagen gedacht. Leider sind die Röhrchen nicht gerade billig. Besser man unternimmt mit den Kindern einen Naturspaziergang, sammelt dabei abgeblühte, hohle Stängel auf der Wiese und spendiert ihnen mit dem gesparten Geld ein Eis.

Loch- Hohl- und Strangfalzziegel

Loch- und Hohlziegelsteine finden sich als völlig nutzloser Bestandteil in den allermeisten „Wildbienenhotels“  und dienen wohl nur zum raschen füllen. (der Kassen)
Der Lochdurchmesser ist viel zu groß und zu allem Überfluss sind diese Steine hinten offen weshalb sie nicht besiedelt werden. Lochziegel und Kalksandsteine machen nur dann etwas Sinn, wenn die Hohlräume mit Schilfhalmen und Bambusröhren gefüllt werden. Wenn schon Ziegelsteine dann sollte man besser Strangfalzziegel verwenden, deren Löcher gerne besiedelt werden.

Strangfalzziegel

Strangfalzziegel bieten mit ihren Hohlräumen Nistmöglichkeiten für Wildbienen. Bei diesen XL-Nistgängen besteht jedoch nach meiner Einschätzung die Gefahr dass, wenn die Brut/Bienen der vorderen Zellen absterben die in den hinteren Zellen entwickelten, arterhaltenden Weibchen nicht mehr rauskommen. Deshalb ist es besser die 30cm langen Ziegel mit einer Flex zu halbieren. Die hinteren Öffnungen kann man mit Lehm, Gips, Watte o.ä. verschließen. Die verengten, scharfkantigen Eingänge sollten mit einem Steinbohrer, Diamantschleifer o.ä. entschärft werden.

Bienensteine

Bienensteine sind gern angenommene und langlebige Nisthilfen aus gebranntem Ton, in Handarbeit getöpfert, luftgetrocknet und dann in einem modernen Brennofen gebrannt mit Energie aus einem eigenen Sonnenkraftwerk. Bienenniststeine gibt es in verschiedenen Ausführungen. Am bekanntesten ist das „Hotel zur wilden Biene“ von Volker Fockenberg.

Ytong- /Gasbetonsteine

Obwohl Ytong- /Gasbetonsteine in vielen Bauanleitungen für Insektenhotels als Baumaterial empfohlen sind völlig ungeeignet, da sie Feuchtigkeit aufnehmen, und in der Folge dadurch die Brut verpilzt.

Lehm und Sand

Nisthilfen aus Lehm, am besten lockerer Lösslehm für Steilwandbewohner und Sandnisthilfen sind ebenfalls ideal, erfordern jedoch zu deren Herstellung ein hohes Maß an Fachwissen in Bezug auf die verwendeten Materialien.

Von Hummeln, Schmetterlingen, Marienkäfern und Florfliegen

In zahlreichen, sog. Insektenhotels ist neben Schmetterlings- und Florfliegenabteilungen zuweilen auch ein kleiner Hohlraum mit Einflugloch für Hummeln integriert.  Eine Hummelkönigin wird sich bei der Nistplatzsuche vielleicht auch mal so ein Loch (mehr ist das ja nicht!) in einem Insektenhotel ansehen aber aus Platzmangel sicher kein Nest gründen. Und das ist auch gut so. Da Hummeln, insbesondere Baumhummeln in Nestnähe äußerst aggressiv reagieren und auch mal stechen können wäre es unmöglich die anderen Bewohner des Insektenhotels gefahrlos zu beobachten.

Übrigens, wer glaubt, dass sich Schmetterlinge, Marienkäfer und Florfliegen für irgendwelche Insektenhotels interessieren sich dort sogar vermehren und den Winter verbringen würden der google mal mit der Wortkombination „Insektenhotel Schmetterling Florfliege Marienkäfer“ nach entsprechenden Bildern. Na, geht endlich ein Licht auf???

Kieferzapfen, Rindenstücken, Hackschnitzel, Stroh und ähnliches

Nisthilfen oder Insektenhotels gefüllt mit Loch- und Hohlziegelsteinen, Ytongsteinen, Kieferzapfen, Rindenstücken, Hackschnitzel, Stroh, Moos und ähnliches entsprechen überhaupt nicht den biologischen Anforderungen und halten die vielfältigen Versprechungen nicht. Sie sind ihr Geld nicht wert und insbesondere für Wildbienen völlig ungeeignet. Hier wird ganz offensichtlich versucht mit einem Minimum an Einsatz den größtmöglichen Gewinn zu erzielen.

Einflugöffnungen für Schmetterlinge, Hummeln, Florfliegen und Marienkäfer sollen dem vermeintlichen Käufer suggerieren, dass sich diese Tiere in einer wahllosen Anhäufung nutzlosem Mist einnisten, überwintern oder gar vermehren. Bestenfalls wird sich hier eine Rindenspringspinne auf die Lauer legen. Schmetterlinge Marienkäfer und Florfliegen überwintern oft zu Hunderten in frostfreien Kellern oder Dachböden aber nie in einem "Insektenhotel".

Diese Insektenhotels sind allenfalls ein nächtlicher Unterschlupf, doch dazu brauchen die Insekten kein Insektenhotel. Unterschlupf finden sie in der Natur zu Genüge. So gehören z.B. Unterschlupfhilfen für Ohrwürmer, sofern man sie anbieten möchte, im Garten dorthin, wo der Blattlausbefall bekämpft werden soll. Als Allesfresser beschaffen sie sich sonst auch Nahrung nebenan in den Brutröhren der Wildbienen oder Solitärwespen, was nicht im Sinne des Erfinders sein kann.

Unbedingt zu vermeiden sind untaugliche Nisthilfen, mit wasserdampfundurchlässigen Glas- oder Plastikröhrchen zur Beobachtung der Nistaktivitäten. Diese Röhrchen sind für die Wildbienen sogar schädlich, weil die bereits im Futtervorrat enthaltene Feuchtigkeit häufig zu einer Verpilzung des Larvenfutters und Absterben der Brut führt. Was als Nisthilfe gedacht ist und fatalerweise auch bereitwillig von den Tieren bezogen wird, verwandelt sich daher häufig zur Todesfalle. Bei den vom Wildbienenschreiner erhältlichen Nisthölzern sind die Nistgänge nur zu 25% mit Glas bedeckt, der Rest ist naturbelassenes Bucheholz das die entstehende, bzw. schon im Larvenfutter vorhandene Feuchtigkeit puffert. Eine Gefahr von Verpilzung besteht daher nicht.

Durch das Anbieten ausreichender Nisthilfen (z.B. aufgerollte Schilfmatten, gebohrte Harthölzer usw.) lassen sich problemlos größere Populationen insbesondere der rostroten (Osmia bicornis) und der gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) sowie verschiedenen Löcher- und Scherenbienen u.a. aufbauen.

Am besten, wenn man jedes Jahr einen weiteren Holzblock oder ein Bündel frischer Schilf- bzw. Bambusröhrchen anbietet und so mit der Zeit eine richtige Wildbienenwand entsteht.

Reinigung der Nisthilfen

Manche Arten wie die häufig an unseren Nisthilfen anzutreffenden Löcher- oder Scherenbienen räumen die Röhrchen vor einer Neubesiedelung selbst aus, andere wie die gehörnte Mauerbiene stören sich allerdings an den Resten einer alten Bienenbrut ebenso wie an ausgefransten Fluglöchern. Eine Reinigung ist in der Regel nicht notwendig wenn man jedes Jahr weitere, neue Nisthilfen anbietet.

Ab Spätherbst können einzelne, offene Nistgänge in denen sich noch sichtbar Nistmaterial befindet gereinigt werden. Härtere Überreste von Zellwänden lassen sich mit einer langen, dem jeweiligen Durchmesser der Nistgänge entsprechenden Spaxschraube ausschaben. Zum einfachen auskehren der Nistgänge sind auch kleine Rohr- bzw. Düsenbürstchen geeignet welche in passenden Durchmessern erhältlich sind. Ansonsten sollten Nisthilfen und Wildbienenhotels ausnahmsweise nur dann gereinigt werden,wenn über mehrere Jahre viele verschlossene Nistgänge nicht mehr aufgenagt wurden und so der Verdacht besteht, dass sich nur tote Tiere darin befinden oder bei einem stärkeren Milbenbefall

Möglichkeit 1

Im zeitigen Frühjahr, noch bevor die Bienen ausfliegen, werden alle Röhrchen mit einem umweltfreundlichen Forstmarker farbig angesprüht. Dadurch kann man im Herbst genau erkennen, welche Nistgänge neu belegt wurden und welche überhaupt nicht geöffnet wurden. Nach wie vor farbig markierte Nestverschlüsse wurden nicht geöffnet und es kann davon ausgegangen werden, dass sich darin nur abgestorbene Brut befindet. Diese Nistgänge (und nur diese !!!) können im Spätherbst bedenkenlos mit einer entsprechenden Spaxschraube gereinigt werden. Alle neu belegten Nistgänge, erkennbar am neuen (nicht farbig markierten!) Nestverschluß bleiben unangetastet!!! Nach dem ausschaben der Nistgänge sollte man die Nisthilfe mit der Frontseite nach unten ganz vorsichtig ausklopfen. Es gibt noch eine netzhautschonendere, allerdings auch zeitintensivere Markierungsmöglichkeit, nämlich die einzelnen Zellverschlüsse mit umweltfreundlicher Wasserfarbe anzupinseln!

Zugegeben, die rote Farbe ist wirklich nicht der Hit, aber sie erfüllt durchaus ihren Zweck, denn man erkennt auf simpelste Weise: Hell gedeckelte Zellen sind neu belegt; Ungeöffnete, nach wie vor rot verschlossene Niströhren bedeuten zunächst einmal, dass die Bewohner noch nicht geschlüpf sind. Im Mai noch immer verschlossene Niströhren lassen vermuten, dass die Bewohner verstorben oder ein Befall mit parasitischen Wespen, möglicherweise Erzwespen vorliegt.

Möglichkeit 2

Eine etwas aufwendigere aber gründlichere Möglichkeit ist folgende. Ende Februar/Anfang März, noch bevor die ersten Wildbienen ausfliegen, setzt man die Nisthilfe in einen lichtdichten Kasten oder Karton. Auf der den Nisteingängen abgewandten Kartonseite bohrt man ein kleines, max. 1cm großes Loch und stellt den Karton an einer geschützten Stelle so auf, dass die Kartonöffnung gegen eine Hauswand zeigt. Eine Neubesiedelung der alten Nisthilfe wird so zu 100% verhindert.
Auch indem man vor das Ausflugloch ein kleines Stück weißen, leichten Gardinenstoff o.ä. locker mit einer Reißzwecke befestigt sollte eine Neubesiedelung zu verhindern sein, weil das Loch für suchende Bienen nicht schon von weitem sichtbar ist. Sobald es warm genug ist nagen die verbliebenen Wildbienen ihre Nestwände auf und verlassen das alte Nest durch die Öffnung im Karton. Damit ist sichergestellt, dass sich keine Bienen oder Puppen mehr in den Niströhren befinden.

Die einzelnen Röhren können nun wie schon beschrieben mit entsprechend langen Spaxschrauben ausgeschabt und anschließend vorsichtig ausgeklopft oder mit Druckluft ausgeblasen werden. Diese Reinigung geschieht im Winter und ist insbesondere nach einem stärkeren Milbenbefall zu empfehlen.

Abschließend kann die Nisthilfe dann noch mit Leinöl, Hartwachsöl oder einer ungiftigen Lasur imprägniert werden. Insbesondere bei der Verwendung dünnflüssiger Mittel sollte man darauf achten, dass nichts davon in die Nistgänge läuft und den in der nächsten Saison nistenden Bienen ihre empfindlichen Flügel verklebt.

Möglichkeit 3 - die Turbomethode

Wenn wie oben beschrieben sichergestellt ist, dass sich keine lebenden Bienen oder Puppen mehr in den Niströhren befinden geschieht eine solche effektive Reinigung vorzugsweise im Winter.

Man richtet sich entsprechend lange Spaxschrauben trennt die Schraubenköpfe ab und schleift die Spitzen richtig rund. In den Akkubohrer eingespannt können die einzelnen Röhren mit laufender Maschine durch mehrmaliges rein- rausfahren ausgeschabt werden. Dabei sollte der zu reinigende Nistgang im Durchmesser immer gut 1mm größer sein als der Bohrerdurchmesser. Falls sich die Schraube in die Stengelknoten bohren sollte ist die Schraubenspitze weiter abschleifen!

Das funktioniert natürlich auch mit langen Spiralbohrern. Allerdings sollte man deren Bohrtiefe entsprechend der Nistganglänge begrenzen. Am einfachsten man umwickelt den Bohrer an entsprechender Stelle mit etwas Klebeband.

 


Milben

Sollte es einmal zu einem stärkeren Milbenbefall kommen empfiehlt es sich, die komplette Nisthilfe wie bei „Reinigung“ beschrieben für ein Jahr außer Betrieb zu setzen und bei der Gelegenheit auch zu reinigen und zu imprägnieren. Alles andere regelt die Natur.

 

Schutz vor Vögeln

Obwohl gerade Mauerbienen die erste Zelle hinter dem Nestverschluß leer lassen kann es hier und da insbesondere während des Winters zu Problemen durch Meisen und Spechte kommen. Wenn diese die Nistgänge erst einmal entdeckt haben kann es passieren, dass sie die Nestverschlüsse und die relativ dünnen Stengelwände aufhacken oder die ganzen Röhrchen aus der Nisthilfe zupfen um die Brut zu fressen.
In solchen Fällen hilft ein Stück Maschendraht mit einer Maschenweite von ca. 2-3cm der den Meisen und Spechten den Zugang verwehrt, andererseits aber auch die Bienen beim Anflug nicht behindert. Der Draht sollte im Abstand von etwa 5cm vor der Nisthilfe befestigt werden. Über die Wintermonate kann man die Nisthilfen ggf. auch durch eine mit geringem Abstand befestigte Sperrholzplatte, Schilfmatte o.ä. gegen Wetterextreme und Vogelfraß schützen.

Idealerweise werden die Nisthilfen in südöstlicher Richtung aufgehängt und sind so aufgrund der meist trockenen Ostwinde relativ wettergeschützt. Seit ich jedoch wiederholt mit ansehen mußte wie der starke Ostwind auch Regen und Flugschnee in die Nisthilfen peitschte schütze ich meine komplette Nistwand den Winter über mit einer filmbeschichteten Sperrholzplatte als Wetter- und Vogelschutz zugleich. Möglich wären auch eine Alu-,Edelstahl- oder weiß beschichtete Platte.

Besonders in sonnenexponierten Lagen kann damit auch verhindert werden, dass die Sonne direkt in die Nisthilfen scheint und sich diese durch die Wintersonne erwärmen. Die Wildbienen würden zu früh aus ihrem schützenden Quartier gelockt und mangels Nahrungsangebot verhungern. Andererseits werden allzu gierige Vögel davon abgehalten, die Nistgänge aufzupicken und sich an der überwinternden Bienenbrut zu vergreifen.

Die Platte wird montiert wenn es ab November ungemütlich wird und ohnehin keine Bienen mehr fliegen. Durch den Abstand von ca. 2cm zwischen Schutz- und Frontplatte der Nisthilfen ist gewährleistet, dass die Bewohner trotzdem ein- und ausfliegen können. Sobald im Frühjahr die ersten Bienen erscheinen entfernt man den Schutz damit sie nicht unnötig behindert werden und wir einen ungestörten Blick auf das emsige Treiben haben.

Weitere Möglichkeiten zum Schutz vor hungrigen Vögeln

Man schneidet ein Stück dicker Pappe, Hartfaser- oder Sperrholzplatte (ca. 3 mm) aus, bestreicht es mit Holzleim und drückt es gegen die Rückwand. Dann stapelt man die Stengel davor und drückt sie einzeln gegen die bestrichene Fläche. Fortan lassen sich die Stengel nur gemeinsam aus der Nisthilfe ziehen, was einem Vogel allerdings nicht gelingt.

Oder man dreht ein paar Metallhaken in die Stirnseiten der Seitenteile und hängt ein den Abmessungen der jeweiligen Nisthilfe entsprechendes Stück Maschendraht mit wenigstens 2cm Maschenweite davor. So können die Bienen ohne Schwierigkeit passieren und Vögel werden am Picken hindert.

Noch besser wäre ein selbstgebauter Rahmen, in den man senkrecht, im Abstand von 2–3 cm einen dünnen, aber gut sichtbaren Draht einzieht. Vögel können sich hier nicht halten, Bienen aber noch problemloser passieren als durch ein Drahtgeflecht.